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Wir Großstädter leben zusammen an einem Ort mit knapp 3,5 Mio. Einwohnern. Menschen so weit das Auge reicht und im Endeffekt müsste es uns doch in einer Stadt wie Berlin absolut leicht fallen, Kontakte mit anderen Menschen aus diesem Riesentopf knüpfen zu können. Doch wie sieht die Realität aus?
Nun, die Stadtmenschen haben alle menschliche Zuneigung komplett abgelegt. Anonymität wird ganz groß geschrieben. Und dies ist ja auch das absurde daran, an einem Ort voller Menschen versucht jeder so gut es geht den anderen zu meiden und baut sich hinter seinen eigenen vier Wänden abgeschottet seine kleine Existenz auf. Ich hab den Vergleich zu meiner Oma, die eher am Stadtrand lebt, wo dörfliche Sitten herrschen. Dort kennen sich die Leute aus der Straße fast alle und wissen absurder weise so viele Einzelheiten und Details über die anderen, dass man denkt dort würde eine große Familie leben. Auch dieses Rausschielen aus dem Fenster, was denn der Nachbar gerade so treibt, ist eine Normalität.
Was mich letztens so erschrak und mir Anlass für diesen kurzen Artikel gab war, dass ich auch in dieses Großstadtmensch-Muster verfiel ohne es eigentlich gemerkt zu haben. Erst im Nachhinein wurde mir eigentlich bewusst, was ich getan hatte.
Und zwar war ich eines Abends auf dem Weg zur S-Bahn und wollte mir noch ein Ticket kaufen. Im S-Bahnhof gibt es unten einen Schalter, der mit einem menschlichen Wesen belegt ist, der die Tickest verkauft. Auf dem Bahnsteig selber gibt es aber auch ein Ticketautomaten, wo ich mir die Karten auch so hätte ziehen können. Nun ja, wäre der Schalter besetzt, dann ist klar, dass ich weitergelaufen wäre, um mir mein Ticket zeitsparender am Automaten ziehen zu können. Nur war der Schalter nicht besetzt und der Mann hinter der Glasscheibe sah mich erwartungsvoll um den bevorstehenden Kauf eines Tickets an.
Ich wusste in diesem Moment, dass mir die beiden Optionen zur Auswahl standen. Für welche entschied ich mich? Nun, ich hab den Automaten gewählt. Ist das nicht schlimm? Ich hatte keinen Bock mich menschlichem Kontakt auszusetzen und wählte die Maschine anstatt des Menschen. Einfach so, weil ich in meiner Anonymität bleiben wollte, in meiner Musik vertieft und nicht bereit war, dies für einen kurzen Moment aufzugeben.
Ich finde das ist ein typisches Anzeichen dafür, dass viele von uns, die wir in dieser Großstadt leben, doch irgendwie von diesen vielen Menschen genervt sind und es eigentlich lieber hätten in anderen Zuständen leben zu können.
Wäre der Automat defekt gewesen, würde ich aber trotzdem zum Schalter gehen