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Autofahren im Osten Also vorab möchte ich ja sagen, dass ich nicht zu der Sorte gehöre, der Menschen in Ossis und Wessis aufterteilt. Ich mein niemand kann etwas dafür, wo er geboren ist und wie das Leben und die Umstände in dieser Gegend nun mal waren. Ich kann dieses, "typisch Ossi" oder "typisch Wessi" Gelaber eh nicht ab.
Na jedenfalls war ich letzte Woche zum Volleyball im Osten eingeladen worden. Irgendwie klingt dieser Satz schon so abfällig. Ich weiß nicht, aber sobald das Wort Osten auftaucht, hört sich irgendwie alles so an, als würde man diese Gebiete sofort herabblickend betrachten.
Warum ist das nur so? Warum schwirrt dieses Ost-Westgefälle denn immer noch so sehr in den Köpfen der heutigen Generationen herum? Ich habe irgendwie den Eindruck, dass meine Generation die Meinung von Ost und West von ihren Eltern immer noch sehr stark eingetrichtert bekommt, sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite. Und seien wir doch mal ehrlich, davon lässt sich nun wirklich fast jedes Kind sehr beeinflussen und geht somit mit einem Haufen Vorurteile in dieses Thema hinein. Was man sich da schon teilweise anhören musste ist schon erschreckend. Ich bin eigentlich ganz glücklich darüber, dass in meinem Freundeskreis dieses Thema bis auf ein paar wenige Ausnahmen keine Rolle spielt. Aber zurück zu meiner Geschichte.
Jedenfalls lasse ich mir vom Microsoft Routen Planer (einer westlichen Firma) den Weg von mir in dieses Ostgebiet fein säuberlich anzeigen. Als er mir die Strecke berechnet hatte war ich eigentlich ganz zuversichtlich. Er rechnete mir 27 Minuten aus und schickte mich eigentlich über ganz normal aussehende Straßen.
Ich fuhr ohne jegliche Vorurteile los und es holte mich jedoch alles schneller ein als ich dachte. Es war eigenartig aber sobald man hinter dem Märkischen Viertel Reinickendorf verlässt scheint es, als würde man eine imaginäre Grenze überfahren (die Mauer ist in den Köpfen immer noch da). Ohne Spaß, genau da wo die Mauer stand fühlte ich in diesem Moment, wie ich den memorial Streifen überquert hatte. Und nun war ich da, im Osten!
Ich habe mir die Route leider nicht ausdrucken können, weil mein Drucker mal wieder streikte. Na jedenfalls hatte ich mir so einen kleinen Notizzettel vorbereitete, auf welchem ich mir die Straßen, in die ich abbiegen musste aufgeschrieben hatte. Sobald ich auf die erste Straße einbog begann mein Odyssee durch die Vergangenheit. 80% der nun folgenden Straßen bestanden aus Kopfsteinpflaster! Ich hasse Kopfsteinpflaster! Vor allem auch deswegen, weil mein blöder CD-Spieler anfängt zu springen und ich meine Musik nicht hören kann. Da ich kein Radio höre, musste ich also meine heilige Musik abschalten.
Die Straßen bestanden zum größten Teil aus folgenden Schildern: Straßenschäden, Straßenschäden, Umleitung, Straßenschäden, Zone 30, Straßenschäden, Baustelle, Zone 30, Straßenschäden. Ich tuckerte nun also mit Tempo 30 übers Kopfsteinpflaster. Mein Schädel wäre mir nach beinahe 5 Minuten geplatzt. Was ich aber am aller schönsten fand war, dass mir diese verdammte westliche Firma, die diesen Autoroutenplaner verkauft wohl absichtlich ein Streich gespielt hatte, indem sie mich von einer Nebengasse in die andere Nebenstraße schickte. Ich verfluchte Bill Gates und seine Option "schnellste Strecke" wählen. Doch nach und nach kristallisierte sich heraus, dass der Osten eigentlich nur aus Nebenstraßen bestand. Es gab keine Hauptstraße, Hauptader an der ich mich hätte orientieren können!
Nach ca. 10 Minuten holte ich dann den guten alten Stadtplan aus meinem Handschuhfach heraus. Ich schlug ihn auf der Seite auf, auf dessen Straße ich mich also gerade befinden sollte. Wo zum Teufel war ich hier? Ich bin 10 Minuten gefahren und ich konnte mich nun gar nicht orientieren?! Ich fuhr dann auf gut glück los, um vielleicht bei der nächsten Kreuzung auf eine Straße zu treffen, die mich meinem Ziel hätte näher bringen können. Doch Fehlanzeige! Ich bin dann drei mal stehen geblieben und hab in die Karte geschaut. Und ich bin nun wirklich nicht bekannt für absolute Orientierungslosigkeit (Zeugen können das bestätigen).
Nun ja, als ich dann aber beim dritten mal am Straßenrand stehen blieb, musste ich mich erstmal selber psychologisch betreuen. "Ruhig David, ganz ruhig, das kriegen wir schon hin". Zu dem Zeitpunkt sprach ich bereits in der dritten Person mit mir. Als ich ganz systematisch vorgegangen bin und alles von A-Z noch mal durchgegangen bin habe ich letztendlich nach 60 Minuten doch noch zu meinem Zielort gefunden.
Die Moral von der Geschichte?
Nun, im Westen gibt es genauso viele Baustellen, die mir wahrscheinlich schon heute das ein oder andere graue Haar beschert haben. Nur muss man sagen, dass die Infrastruktur im Osten wirklich sehr hinter her hinkt. Natürlich gibt es dafür Tausende von Gründen die bis in die Nachkriegsgeschichte reichen, jedoch möchte ich diese hier nicht anführen.
Was ich an dieser Erfahrung toll fand, ich kann ohne Vorurteil sagen, dass das Autofahren im Osten noch grauenvoller ist, als im Westen! Ich bin zwar nicht das erste mal im Osten gefahren, ich mein im Prenzlauer Berg etc. ist man des Öfteren. Jedoch bin ich das erste mal halt so in den tiefsten Nebenstraßen des Ostens gelandet, die mir ehrlich gesagt irgendwie Angst machten.
Das schönste war dann noch als ich an der Beachvolleyballhalle ankam und diese den Namen "Beachzone" trug, Beach-"zone"! Gewisse Freunde wollten mir versichern, dass das Wort "zone" hier aus dem englischen Sprachgebrauch zu verstehen sei und auch dementsprechend ausgesprochen werden müsste.
Sorry, aber den Quak habe ich ihnen nicht abgenommen. Meine Odyssee endete in der tiefsten Zone, so kam es mir auch vor.